Vom Leben und vom Sterben

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Das Sterben gehört zum Leben wie die Geburt. Und doch verbannen wir den Tod ängstlich aus unserem Denken.
Das Sterben gehört zum Leben wie die Geburt. Und doch verbannen wir den Tod ängstlich aus unserem Denken.

„Das Zentrum der religiösen Suche ist eigentlich nicht Gott. Es ist der Tod. Ohne den Tod gäbe es gar keine Religion. Es ist der Tod, der den Menschen dazu bringt, sich auf die Suche nach dem Jenseits zu machen, nach dem, was nicht stirbt. Wir sind vom Tod umgeben, so wie eine kleine Insel vom Meer umgeben ist. Die Insel kann jeden Moment überflutet werden. Der nächste Moment wird vielleicht niemals kommen. Morgen wird es vielleicht nie geben. Tiere sind nicht religiös, einfach weil ihnen der Tod nicht bewusst ist. Sie können sich nicht vorstellen, dass sie sterben, obwohl sie andere Tiere sterben sehen. Ob man einfach jemanden sterben sieht oder dabei zu der Schlussfolgerung gelangt: ‚Auch ich muss eines Tages sterben!‘ – dazwischen liegt ein Quantensprung. Die Tiere sind nicht so wach, so bewusst, um diese Schlussfolgerung zu ziehen. Und die Mehrheit der Menschen ist ebenfalls noch nicht auf der Stufe des Menschseins angelangt. Ein Mensch ist erst dann wirklich reif, wenn er zu der Einsicht gelangt ist: ‚Wenn der Tod allen anderen widerfährt, dann kann ich keine Ausnahme sein.‘ Lässt du diese Feststellung tief in deinem Herzen sinken, kann dein Leben nie mehr dasselbe sein. Du kannst nicht mehr in der alten Weise am Leben festhalten. Wenn es einem sowieso genommen wird, wozu soll man dann noch so besitzgierig sein. Wenn eines Tages alles verschwindet, wozu soll man sich anklammern und leiden? Wenn das Leben nicht ewig währt, wozu soll man unglücklich sein, Seelenqualen erleiden, sich Sorgen machen? Wenn es sowieso vorbeigeht, dann geht es vorbei – egal, wann es geht. Dann spielt Zeit nicht so eine wichtige Rolle: ob heute, morgen, übermorgen – das Leben wird dir aus der Hand gleiten. An dem Tag wird dir bewusst, dass du sterben wirst, dass dein Tod absolut sicher ist. Tatsächlich ist der Tod die einzige Sicherheit im Leben. Nichts anderes ist so absolut sicher. Aber irgendwie versuchen wir immer, diese Frage zu umgehen – das Thema Tod. Wir halten uns mit anderen Dingen beschäftigt. Manchmal reden wir von groβen Dingen, über Gott, Himmel und Hölle, nur um die wirkliche Frage zu vermeiden. Und die handelt nicht von Gott; sie kann sich gar nicht darum drehen, denn welche Bekanntschaft hat man mit Gott? Was weiβt du von Gott? Wie kannst du nach etwas suchen, das dir völlig unbekannt ist? Diese Suche hat keinen Inhalt. Sie ist höchstens Neugierde, pubertär, dumm, kindisch. Dumme Menschen stellen die Frage nach dem Gott. Ein intelligenter Mensch stellt die Frage nach dem Tod. Leute, die immer nach Gott suchen, werden Gott niemals finden. Wenn du aber nach dem Tod suchst, findest du zwangsläufig Gott, denn durch den Tod wirst du transformiert, wird deine Sichtweise verändert. Dein Bewusstsein wird klarer, weil du die wahre Frage gestellt hast – eine authentische Frage, die wichtigste Frage im Leben. Du hast dich einer so groβen Herausforderung gestellt, dass du dich nicht mehr länger im Schlaf wiegen kannst. Du wirst aufwachen müssen; du wirst wach genug sein müssen, um der Realität des Todes zu begegnen.“ Osho
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Publisher Ullstein TB-Verlag
ISBN-13 978-3548743516
Number of Pages 336